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'Anders Reisen': Alternativer Jugendtourismus der 1960er bis 1980er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland (Teilprojekt der Studien zur Kultur- und Sozialgeschichte der BRD)

Indem sie sich - per Anhalter, im eigenen VW-Bus oder via öffentlicher Verkehrsmittel - auf Reisen abseits der massentouristischen Infrastruktur begaben, kreierten politisch vornehmlich links gerichtete Jugendliche seit den 1960er Jahren einen Reisestil, der sich in Praxis und Anspruch entschieden vom Massen- und Pauschaltourismus absetzte. Das Promotionsprojekt untersucht diesen sogenannten Alternativtourismus aus sozial- und kulturgeschichtlicher Perspektive und nimmt dabei insbesondere folgende Aspekte ins Visier:  Erstens interessiert die alternative Reisepraxis als Erfahrungslieferant im Hinblick auf die transnationale Dimension der gegenkulturellen Bewegung im Gefolge von „1968“, die für die westdeutschen Jugendlichen in der Begegnung mit Gegen-Bewegten aus anderen Ländern vom medial vermittelten Wissen zur unmittelbaren sinnlichen Erfahrung wurde. Aufschlussreich ist das Thema zweitens im Hinblick auf das heimische Alternativmilieu: Begreift man Reisepraxis und angelagerten Diskurs als Element und Ausdruck des linksalternativen Lebensstils, lassen sich hier milieuspezifischer Habitus und Wahrnehmungsmuster, kollektive Selbstverständigungsprozesse und die Herstellung von Zugehörigkeiten exemplarisch nachvollziehen. Schließlich ist die alternative Reisepraxis trotz der von den linken „Antitouristen“ kultivierten Absetzung vom Massentourismus eng mit der Entwicklung der allgemeinen Reisekultur verknüpft. Durch die Kontextualisierung des Alternativtourismus in allgemeine tourismusgeschichtliche Entwicklungen erschließt die Dissertation somit drittens einen bislang unterbelichteten Aspekt der bundesdeutschen Konsum- und Freizeitgesellschaft.

Personen: Anja Bertsch